Heinz Horrmann - Internationaler Hotelkritiker und Restauranttester

Metropolen Hotels (1): New York City

New York verändert sich fortwährend. Das war schon in den Anfängen so, als die Holländer 1624 das damalige New Amsterdam gründeten. Zwei Jahre später kaufte der Gouverneur Peter Minuit den Indianern die Insel Manhattan ab. Dieser Handel war zugleich das erste Ganovenstück dieser einmaligen Stadt. Als nämlich die Holländer den Kaufpreis von 60 Gulden in Eisen und Kurzwaren bezahlt hatten, stellte sich heraus, dass der Häuptling, der ihnen die Insel verschachert hatte, gar nicht der Besitzer war.

Der ständige Wechsel gilt auch für die Hotelsituation. Die einstige Nummer 1, das Peninsula, durchlebt im Service eine Schwächephase, im Leading-Hotel Trump International lässt der Direktor kein Fettnäpfchen aus, rennt ohne Anzuklopfen in eine Suite und steht dem nackten Patrick Swayze gegenüber… . Das Waldorf-Astoria in der Park Avenue, einst das Paradehotel für Weltbummler, ist heute nur noch eine Wohnfabrik mit schlechtem Service und durchschnittlichen Zimmern. Das glatte Gegenteil dazu ist der angegliederte Waldorf Tower zwischen dem 27. und dem 42. Stock. Ein Hotel im Hotel, das die große Tradition des 1893 eröffneten „Beherbergungsbetrieb“, wie es damals hieß, weiterführt. Ein Mythos, der Fernwehträume weckt. Natürlich hat der Turm eine eigene Rezeption und eine separate Lobby an der 100East 50th Street. Die Einrichtung der 106 Suiten, mal modern, mal im Biedermeier-Stil ist stets in hellen, freundlichen Tönen gehalten. Sieben Seiten lang ist die Liste der hochwohlgeborenen „Famous Guests“, allein zwei Seiten Könige und Prinzen. Was mich störte: Die Blumen auf den Gängen waren aus Plastik, gut gemacht, aber eben ohne Leben.

New York City

Die absolute Nummer 1 bei Wohnqualität und Gaumenfreuden aber ist zurzeit eindeutig das Mandarin Oriental Hotel mit einem Hauch von asiatischem Luxus. Das Domizil im Time-Warner-Gebäude am Columbus Circle hat seine Rezeption im 35. Stock, die Gästezimmer und Suiten bis hinauf in den 54., das garantiert den schönen Blick über den Central Park und die Häuserschluchten von Manhattan. Wie so häufig in der Liga der Besten wird das wunderbar leise, ja sanfte Hotel von einem Deutschen geführt, von Rudy Tauscher, der sein Rüstzeug im Brenner’s Park Hotel in Baden-Baden bekam. Vor vier Jahren übernahm Tauscher das Mandarin Oriental mit dem elegantesten Spa der Stadt. Das Hotelrestaurant „Asiate“ kombiniert asiatische Elemente mit klassisch-französischen Gerichten, aber auch New Yorker Favoriten wie Steaks und Edel-Burger mit feinen Zutaten. Kurz nach der Eröffnung fand ich die moderne Eleganz des Hotels zu kühl. Doch mit viel Blumenschmuck, Kerzenlicht und wertvollen Bildern hat Tauscher es verstanden, angenehme Wohnlichkeit in das Designer-Ambiente zu bringen. Hip and cool plus Herzlichkeit  ergibt eine Mischung, die für Stammkunden sorgt. Ein Wort noch zum „MO Spa“: Ich finde den Wellness-Gedanken heutzutage überstrapaziert. Doch die Massage „Oriental Harmony“ mit feinen Aromen möbelte mich nach dem Flug auf und zauberte das Jetlag weg.

Von den vielen Businesshotels der Stadt, die niemals schläft, rangeln drei um die Spitze, das Four Seasons in der 57 East 57th Street, The Pierre, inzwischen ein komplett renoviertes Taj Hotel und das Ritz-Carlton Central Park South, das in der Summe aller Dinge eine Nasenspitze vorne liegt. In diesem völlig renovierten Bau aus dem Jahre 1930 entstanden 277 Zimmer, davon 40 Suiten und 11 luxuriöse Residenzen für Dauergäste. Am  Fenster meiner Suite, die in freundlichen Pastellfarben und mit exzellenten Materialien ausgestattet ist, steht ein teures Teleskop. In Hotels mit schöner Aussicht ist das zur festen Einrichtung geworden. Sinnlichkeit und Genuss wird überall im Hotel betont, doch ebenso gelungen ist die komplette Ausstattung für Geschäftsreisende: High-Speed-Internet-Anschlüsse, DVD-Komplettausstattung, Bang-&Olufsen-Systeme und 24 Technologie-Butler, die bei Computerproblemen helfen. Nicht so einfach war die Suche nach dem Hotel mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis. Ich habe mich für „The Bentley“ in der 500 East 62nd/York Ave. nahe der Lexington entschieden. Viele Zimmer bieten großartige Blicke auf den East-River. Das Hotel offeriert Doppelzimmer ab 85 Euro. Die 197 großzügig geschnittenen und funktionell eingerichteten Räume sind absolut sauber und beherbergen sehr viele junge, hippe Menschen. Natürlich gibt es noch billigere Hotels in New York wie „The Marcel“ oder „Habitat Hotel“, aber für das, was in diesem modernem Haus nahe dem Central Park (mit sehr gutem Rooftop Restaurant im 21. Stock) geboten wird, ist das Preis-Leistungsverhältnis in der Metropole, die den typischen American Dream beherbergt, absolut unerreicht.