Horrmanns Gourmetspitzen

Den Preis wert

Heinz Horrmann besucht "GZSZ"-Schauspieler Jörn Schlönvoigt in seinem Restaurant "Casa Italia"

Schauspieler mit eigenem Restaurant, das ist eine Welle, die aus Hollywood zu uns kam, immer breiter und beliebter wird und die Klatsch-Spalten füllt. In Berlin frönt beispielsweise Peer Kusmagk seinem Hobby, in der Küche zu stehen, in einem Kreuzberger Restaurant (La Raclette), Christian Kahrmann’s („Lindenstraße“) Lokal heißt „Own“ im Bötzowviertel, Marie Grönemeyer, die Tochter von Gesangs-Barde Herbert, offeriert das „O“ mit skandinavischer Küche und am längsten in Berlin existiert Ben Beckers Bar  „Trompete“ Jörn Schlönvoigt, Schauspieler aus Köpenick und als einer der Hauptdarsteller von einigen Hundert Folgen „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ sowie als flinker Tänzer bei „Let’s dance“ ein absoluter Publikumsliebling, konzipierte sein eigenes Restaurant mit italienischer Ausrichtung in der Friedrichstraße. Neben der typisch mediterranen Küche ist das Restaurant gleichzeitig Pizzeria und Spezialist für hausgemachtes Eis. Anders als Kusmagk, der ständig in seinem Lokal ist, schaut Schlönvoigt allerdings nur sporadisch rein. Er kocht lieber zu Hause, mit Freundin und TV-Partnerin Sila Sahin und backt zum Beispiel sein eigenes Brot aus Dinkelmehl. 

Casa Italia Berlin
Casa Italia Berlin

Das Casa Italia-Produkt hat nicht viel mit hochklassiger Gourmet-Küche zu tun, das war auch nie die Absicht des TV-Stars. Seine Vorstellung war klar: Mit einfachen Gerichten sollen Gäste total entspannt glücklich gemacht werden, mit einer breiten Palette hausgemachter Pasta beispielweise. Acht Kilo Nudeln verspeist ein Bundesbürger laut Statistik pro Jahr und immer wieder heißt es, weil Nudel glücklich machen. Dabei ist die Herstellung genial einfach: Weizen, Wasser, dazu Eier und Salz, mehr Zutaten braucht der Basisteig nicht. 

 

Bei Schlönvoigt sind die Nudelgerichte zwischen 8 und 12,50 Euro angesiedelt. Dafür gibt es eine breite Auswahl von kurzen Nudeln mit Zwiebeln, Speck und frisch gemachter Tomatensauce. Bandnudeln mit Schweinefilet und Steinpilzen in Sahne-Rahm oder geschichteter Nudelteig mit Beschiamellesauce, Hackfleisch, dazu überbacken mit Mozzarella. Alle Gerichte sind sehr ordentlich, ohne in den Sternehimmel zu ragen. 


Natürlich fehlen die Spaghetti nicht und ebenso wenig die Ravioli, die hier mit Frischkäse und Spinat gefüllt sind. Der Pasta- Empfehlung des Hauses sollte man folgen, denn diese Gerichte sind im minimalistisch eingerichteten Restaurant, das ein wenig an Touristenlokale am Gardasee erinnert, absolut in Ordnung. Viel falsch machen kann man da ja auch nicht. 


Bei der weiteren Auswahl, die die kleine Küchencrew stemmen muss, sind Abstriche zwangsläufig. Das Vitello Tonnato macht den Eindruck eines Fertigprodukts, weil die hauchdünn geschnittenen, kreisrunden Kalbsfleischscheiben unnatürlich fest miteinander verbunden sind und der Thunfischschaum eine wenig gewürzte, geschmacksneutrale Sauce ist. Das gilt auch für das „Carpaccio Di Manzo“, das klassische Rinder-Carpaccio mit gehobeltem Parmesan auf einen Ruccola-Bett angerichtet.


Für kleines Geld (6,90 Euro) wird eine große Portion Mozzarella mit Tomaten und Pesto serviert. Bei den Schweinefilet-Medaillons mit frischen Tomatenscheiben und würziger Tomatensauce wird Mozzarella als Element zum Überbacken genutzt (Filettini alla Sorrentina), ordentlich ist auch der Schweinebraten mit Pilzen in Rahmsauce. Während das Entrecôte, das mit Bratensauce und viel grünem Pfeffer angerichtet wird,  war vom Produkt her nicht sehr glücklich gewählt.. Es entsprach von der Konsistenz her eher der festgewordenen Paste, die beim Zahnabdruck verwendet wird. Da sollte die Küche sich unbedingt einen anderen Fleisch-Lieferanten suchen. Erstklassig ( ! )war dagegen der fein gewürzte Geschmack, von Pfeffer dominiert. Da konnte die Küche eigene Karten ins Spiel bringen.


Auch beim Fisch gilt, was bei Vorspeisen, Salaten und Fleisch so augenscheinlich ist: Die ausgesprochen günstigen Preise. Die große Garnelen-Pfanne mit Paprika, Spargel und Zucchini ist wie die kräftige Portion Miesmuscheln in Weißweinsauce mit 11,50 Euro kalkuliert. Kaum teurer, aber deutlich delikater ist das recht saftig belassene Lachssteak im Sesam-Mantel, das eine geschmacklich gelungene Kombination mit einer Weißwein-Balsamico-Sauce eingeht. 


Zwei Dinge, die nicht unbedingt Glanzlichter der Gourmandise sind, werden in einer selten erlebten Breite offeriert: Pizzen und Speiseeis. Bei den krossen Pizzen, die ein Stück Italien verkörpern, gibt es neben den Standards interessante Variationen, so mit Garnelen und Zucchini sowie Parmaschinken auf einem Bett von Rucola, Käse und Tomaten. Eine Karte mit derart vielen Eissorten und Kombinationen wie große Genuss-Becher mit Früchten, Karamell oder Schokolade habe ich selten erlebt. Darüber hinaus sind süße italienische Leckereien, die die härtesten Slim-Jünger weichmachen, im Angebot. Tiramisu, Panna Cotta mit Früchten und ein ganzes Brett mit einer breiten Tortenauswahl. Schlönvoigt liebt die süßen Köstlichkeiten, das merkt man hier besonders. In der Kocharena-Weihnachtssendung (23. Dezember, 20.15 Uhr bei VOX) zaubert er eine Variation von gefüllten Bratäpfeln, nicht verraten wird, ob er damit das Duell gegen den Sternekoch gewinnt…


Unter dem Strich ist das Casa Italia ein ausgesprochen preiswertes Restaurant. Es ist gewiss richtig, dass Jörn Schlönvoigt keinen stillen, romantischen Genusstempel schaffen wollte. Die Gäste, die kommen, sind laut und lebhaft. Am Nebentisch wurde mit brüllendem Lachen so kräftig auf den Tisch gehauen, das die Wände zitterten. Der liebenswert freundliche Kellner entschuldigte sich, wollte aber auch nicht die Freudenausbrüche beschneiden. Den Service, den er zelebrierte, war alles andere als schulmäßig, aber wenn mit liebenswürdigem Lächeln serviert wird, spielt es für mich nur eine untergeordnete Rolle, ob schulmäßig von rechts oder links serviert wird.

Casa Italia
Friedrichstraße 136, Berlin
Telefon 30874090
Montag bis Sonntag von 11 bis 1 Uhr
www.casaitalia-berlin.de

 

Erstveröffentlichung am 22. Dezember 2012 in der "Berliner Morgenpost"