Horrmanns Gourmetspitzen - 03. Mai 2013

Ristorante Ponte: Italienische Eleganz ohne Schicki-micki

Herzlich, ja geradezu jubilierend werden die Gäste im dunkelgetäfelten, kleinen Eck-Restaurant empfangen. Erster Eindruck: Wir sind zu einem privaten Diner unter Freunden in einem Clubheim eingeladen, Es ist aber Valter Mazzas Neuauflage  seines italienischen Ristorantes „Ponte Vecchio“ ( nach der Alten Brücke über dem Arno in Florenz benannt). Dieses Restaurant in der Nähe der Deutschen Oper war in den 80 er Jahren Kult und eines der ersten in meiner Gourmetspitzen- Reihe in dieser Zeitung. Mazzas  neues Lokal in der Regensburger Straße heißt nur noch „Ponte“ und alles ist etwas kleiner als vorher: der Gastraum, die Speisekarte und , das freut den Gast, auch die Preise, die bei den Weinen geradezu spektakulär niedrig sind, ein guter Pinot Grigio von Chopris für gerade mal 18,50 Euro, das bekommt man nicht oft.

Ganz naturbelassen ist, was auf den weißgedeckten Tisch kommt, konsequent und  ganz typisch für die italienische Kochrichtung, wahrlich keine kreative Zauberküche, da möchte ich keine falschen Erwartungen wecken- aber eine solide, saubere Zubereitung erstklassiger, frischer  Zutaten. Da kann man für einen Abend wirklich die teuren Produkte locker vergessen. Mir wurde ein einfaches Carpaccio von der Roten Beete auf einer milden Meerrettichcreme serviert und mit Kräutern und zerkleinerten Walnüssen aromatisiert. Zweites Beispiel für diese Richtung: Artischocken in einem herzhaften Sud gegart und geviertelt in Kombination mit dem herzhaft würzigen Süppchen werden in hohen Tellern serviert. Herrlich naturbelassen und so köstlich. Ein wenig provozierend gefragt: Wozu brauche ich heute Abend noch Kaviar und Gänseleber?

In der angesagten  italienischen Art frische Köstlichkeiten vom Markt zu präsentieren, ging  es weiter im Programm. Ob die Doraden Filets mit Kapernsauce, der Garnelenspieß ( herzhaft gewürzt ) der Tintenfisch in Tomatensauce, oder der Lammrücken aus dem Ofen in Rosmarinduft, nie sind mehr als drei dominierende Aromen auf dem Teller, exakt wie es der große italienische Sternekoch Marchesi  in seiner Küchenbibel festgeschrieben hat. Eine herrliche Abwechslung, die mir zwischenzeitlich Spaß macht, zugegeben, dann freue ich mich aber auch wieder auf die großen Kreationen in der französischen Genusswelt  des Auguste Escoffiers. Ob ich persönlich nun die italienische oder die französische Küche höher bewerte, wollte TV- Moderator Markus Lanz in der ZDF- Sendung „Topfgeldjäger“ von mir wissen. Ein Vergleich sei kaum möglich, weil man Äpfel nicht mit Birnen vergleichen könne, habe ich ihm geantwortet. Die italienische Küche lebe eben , wie hier beschrieben, von unparfümierten frischen Produkten, die  ohne großen Kochkunsteinsatz serviert werden, ganz anders die französische Küche, die mit wesentlich mehr Aufwand ein Zusammenspiel der Aromen schafft, mit Emulsionen, Gratins  etc.

Und das beste Beispiel für den ersten Teil meiner  Aussage steht „die Brücke", das Ponte. Das gilt auch für die Geflügelgerichte wie die Perlhuhn Brust, die nur mit altem Balsamico verfeinert ist,  (ausgewogen mit feiner Säure und himmlischer Würze) oder die knusprig gebratenen Wachtelteile in einer pikanten Olivenölsauce. Dazu gab es Gemüse und leicht geröstete Rosmarinkartoffel, die aber nie den Geschmack des knusprigen Fleisches überlagerten.

Gewiss schon eine Selbstverständlichkeit, dass ist die  Pasta-Angebote erstklassig sind. Ich habe die Tagliatelle alla Bolognese genossen, an Stelle der üblichen Tomatensauce mit einer mittelscharfen Rindfleischsauce kombiniert. Meine Begleiterin wählte die  köstlich gefüllten Teigröllchen aus dem Ofen und war davon beglückt. Das gilt auch für die Standart-Vorspeisen wie das klassische Vitello tonnato.. Hier ist die Thunfischsauce zum rosa gebraten Kalbfleisch besonders intensiv, prächtig ergänzt von kleinen Kapern.Eine kritische Anmerkung ist nötig, bevor wir zum –Dessert schreiten. Wer Suppen liebt ( was im Trend liegt ) kommt weniger gut weg: Eine geklärte, ungebundene Fischsuppe und die übliche simple Gemüsesuppe bietet da die Küche, das ist schon alles.

Der süße Abschluss steht nicht auf der Karte , was es gibt, erfahren wir vom Chef, der von Tisch zu Tisch geht, die Tagesspezialitäten zusätzlich zur Karte  und das Dessert ansagt, klingt vertraulich, geradezu mit verschwörerischer Mine.  Heute empfiehlt er sein hausgemachtes Eis mit marinierten Beeren und die flambierten Feigen mit  Vanilleeis. Wer zum Wein Käse bevorzugt, bekommt eine liebevoll zusammengestellte Auswahl.

Mazzas Kommunikation mit dem Gast, seine Umsicht bei der Betreuung, das ist ein wichtiges Service- Element. Besser kann man im Restaurant  kaum bedient werden. Da lächelt man nur noch über kleine handwerkliche Patzer, bei so  viel Liebenswürdigkeit ist es mir gleich, ob  nun von rechts oder links serviert wird.

Ein ganz bedeutendes Element ist beim abendlichen Genuss der Wein. Die günstigen Preise habe ich angesprochen. das Angebot ist im Ponte natürlich von italienischen Lagen geprägt, das gilt auch für die Prosecchi.

Ein richtig guter Wein ist ganz objektiv der „Villa Antinoni“ aus der Toscana, der mit 29,50 Euro auf der Rechnung steht. Da zahlt man im Einkauf kaum weniger. Was hier noch fehlt, sind die ganz großen Lagen, aber vielleicht werden die hier auch so gut wie nicht gefragt.

Was steht unter dem Strich? Ein ganz gewiss empfehlenswertes italienische Restaurant ohne Schicki-Micki-Effekt. Schön, dass Mazza nicht seine ursprüngliche Planung umgesetzt hat und im letzten Jahr in seine Heimat jenseits der Alpen zurückgekehrt ist. Der Neustart hat die alten Stammgäste mobilisiert und viele weitere dazugewonnen.

Übrigens, wenn das Wetter jetzt warm und stabil sommerlich wird, animiert die schöne Terrasse wieder zum Draußensitzen.

Nach dem endlos langen Winter wird sie liebevoll begrünt und mit Lichterketten dekoriert.

Restaurant Ponte
Regensburger Straße 5
Telefon: 030/21912410
Dienstag: Ruhetag
www.ponte-berlin.de