Horrmanns Hoteltest

Ritz-Carlton Wolfsburg, das Paradehotel der Gruppe

Das Hotel
Es war eine Hotel-Sensation, als 1998 bekannt wurde, dass Ritz-Carlton das erste europäische Hotel unter diesem Namen ausgerechnet in Wolfsburg eröffnen werde und nicht in einer der Metropolen. Heute, wo die Besitzergesellschaft Marriott die einst beste Hotelgruppe der Welt ohne Rücksicht auf die Gästepflege, die Ritz Carlton einst groß gemacht hat, finanziell knebelt, ja geradezu demontiert, ist das Wolfsburger Haus das von Ferdinand Piech initiiert wurde und sich im VW-Besitz befindet, souverän genug, weiterhin perfekten und gewiss aufwendigen Gäste-Service zu garantieren. Nun ist das Management der US-Gruppe besonders glücklich, in der VW-Autostadt zu sein. Die Chefin des Hause, Edith Gerhardt, dirigiert mit Charme aber auch fester Hand die 250 Angestellten aus 29 Nationen. Behutsam wird das Hotel regelmäßig aufgefrischt und erweitert.

Ritz-Carlton Wolfsburg
Ritz-Carlton Wolfsburg

Zimmer und Suiten
Die 174 Wohneinheiten, davon 21 Suiten, sind nicht wie in den meisten Hotels der Gruppe konservativ im englischen Club–Stil sondern von Andree Putman modern, licht, funktionell und vor allem freundlich eingerichtet. Design ist hier kein Selbstzweck, sondern dient dem Gast. Selbst das kleinste Zimmer hat 38 Quadratmeter Platz und ein perfekt gestaltetes Bad mit Dusche ohne Stolperstein. Viel Ablageraum. Zimmerpreise ab 285 Euro.

 

Essen und Trinken
Heute mutet es fast als selbstverständlich an, dass das Domizil in Wolfsburg zu den besten auf dem Kontinent gezählt wird und mit dem Restaurant "Aqua" seit Jahren ein Drei-Sterne-Hotelrestaurant präsentiert, wo jährlich unter der Regie von Küchenchef Sven Elverfeld das Gourmet-Festival mit europäischem Sternenglanz zelebriert wird. In der Quersumme aller Restaurant- Bewertungen gehört das Aqua zu den Top Drei in Deutschland und den 20 besten weltweit. Das zweite Restaurant, der "Grill", ist mittags und abends geöffnet.

 

Der Service
Hoteldirektorin Edith Gerhardt bringt das Service-Konzept auf den Punkt, wenn sie sagt: „Bestehen in der Luxusnische wird durch den persönlichen Einsatz im Service entschieden.“ Es gibt tatsächlich wenige Hotels in der Welt, wo ich mich so betreut und verwöhnt gefühlt habe, wie diesem Domizil mit Blick in die Autostadt. Das beginnt bei der aufmerksamen Bedienung im Frühstücksrestaurant Hafenterrasse und endet mit dem letzten Drink an der Bar. Erstklassiger zweiter Service- Gang am Abend. 

 

Das Urteil
Mit einem Super-Spa (plus 40-Meter-Schwimmbad), dem perfekten Fitness-Bereich "KraftWerk", einer herrlichen Kaminhalle und sehr moderner Design-Ausrichtung wurde neben der vorzüglichen Küche die Ausnahmestellung im Lande ausgebaut. Verbunden mit einem dicken „Plus“ sind das fünf ehrliche Sterne.


Erstveröffentlichung am 05. Januar 2013 in der "Welt"