Heinz Horrmann's Hoteltest

Waldorf Astoria Berlin - Schieflage beim Preis/Leistungsverhältnis

Das Hotel
Das erste deutsche Waldorf Astoria, der Edel-Gruppe im Hilton-Konzern, wurde vor kurzem in Berlin in einem spektakulären 118 Meter hohen Bau mit  modernem, großzügigen Interieur-Design eröffnet. Die Marketing-Entscheidung des Direktors Friedrich Niemann, den für mich weltbesten Koch Pierre Gagnaire als „Paten“ für das Restaurant „Les Solist“ zu verpflichten, sorgte für große Aufmerksamkeit. Zum Hotel-Angebot für die Gäste zählen der elegante Spa- Bereich, die Bibliothek im 15. Stock, die angesagte „Lang“-Bar. Spektakulär ist der Ausblick auf die Berliner Skyline, zur Zeit allerdings nur auf Großbaustellen. Ein attraktives Ambiente sichert noch lange nicht 5 Sterne, die ich bei allen Hilton-Produkten nur ein einziges mal gefunden habe, beim Conrad Hotel auf den Malediven.

Zimmer und Suiten
Die 152 Zimmer (angenehme Größe, ab 42 Quadratmeter Größe) und 80 Suiten sind funktionell und elegant eingerichtet. Sie wirken aber nicht wohnlich warm, zumal Blumen oder Grünpflanzen völlig fehlen. Ganz schlecht ist das TV-System, das einige Leser bereits massiv kritisiert hatten. Man kann sich nur mühevoll durch das zäh arbeitende Menü klicken. Am nächsten Morgen hatte ich noch einen Hollywood-Film auf der Rechnung, obwohl ich gar nicht in den Film-Bereich vorgedrungen war. Der Betrag von 24 Euro wurde aber nach meiner grimmiger Klarstellung storniert. Das Bad mit Decken-Dusche, separater Toilette und genügend Handtücher ist in Ordnung. Klinische Sauberkeit überzeugt. Als ärgerlich empfand ich, dass das Zimmer nachts nicht perfekt abzudunkeln ist.

Essen und Trinken
Ist der Drei-Sterne-Koch Gagnaire im Haus, ist die Küche im „Les Solist“ eine Klasse besser (leider erst wieder im September). In der übrigen Zeit geht die Schere der Gäste-Bewertung weit auseinander. Ich persönlich war zufrieden.
Das zweite Restaurant ist das sehr einfache, rustikale „Romanische Cafe“, wo mich nur der sympathische Service erfreute. Das Frühstücksbüffet im „Les Solist“ ist von durchschnittlicher Qualität (Früchte, Wurst, Schinken, Lachs) - nur Brot und Brötchen sind fraglos unterdurchschnittlich, leider pappig und nicht kross.

Service
Mehrheitlich überzeugt der ordentliche Service vom Pförtner bis zum exzellenten Maitre im Restaurant, ausgenommen die Dame am Frühstücksempfang. Grußlos kommandiert sie: „Zimmernummer oder Name. Und sie müssen wissen , das Frühstück wird extra berechnet ...“ Keinerlei Freundlichkeit. Im Zimmer arbeitete das Houskeeping  tadellos. Der Flur des 8. Stocks, wo ich wohnte, aber roch widerlich muffig. Und keiner kümmerte sich um die sogenannte Event-Terrasse (6. Stock). Da lagen die Sitze und Auflagen kunterbunt herum, auch der Handtuchkorb im Pool-Bereich war eine Ewigkeit nicht mehr geleert worden.

Urteil
Insgesamt fraglos eines der besseren Hilton-Produkte, aber angesichts des schlechten Preis-Leistungsverhältnisses – ich zahlte für die Übernachtung den sogenannten „besten Preis“ von 310 Euro, 36 Euro für Frühstück, Internet kostet mit 12 Euro die Stunde also deutlich mehr als in den besten Berliner Hotels aufrufen. Auch die Weinpreise im Gourmet- Restaurant sind indiskutabel überzogen Preisgünstiger ist nur das „Romanische Cafe“. Dafür türmte die Küche beim Waldorf Salat ungeschälte und nicht entkernte Apfelscheiben aufeinander. Nach meinen Kriterien sind das viereinhalb ehrliche Sterne.